60. Gedenkfeier am Ehrenmal der Gebirgstruppe am Hohen Brendten

Ansprache des Präsidenten Kameradenkreis der Gebirgstruppe
zur 60. Gedenkfeier am Ehrenmal der Gebirgstruppe am Hohen Brendten
am 24. Mai 2017

Präsident der Kameradenkreises der Gebirgstruppe "Hans Sahm"
Präsident der Kameradenkreises der Gebirgstruppe "Hans Sahm"

Meine Damen und Herren Abgeordnete, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft, hohe Geistlichkeit, meine Herren Generale, meine Herren Kommandeure verehrte Angehörige der Verbände, Ortskameradschaften, Traditionsverbände und Patenorganisationen, liebe Gäste.

Ich begrüße sie alle sehr herzlich und danke Ihnen, dass Sie der Einladung zu unserer 60. Gedenkfeier am Ehrenmal der Gebirgstruppe auf dem Hohen Brendten in Mittenwald gefolgt sind. Es freut mich, dass Sie mit ihrer persönlichen Teilnahme Ihre enge Verbundenheit mit den aktiven und ehemaligen Soldaten zeigen, deren Anwesenheit ich herausstellen möchte und die ich deshalb ganz besonders herzlich begrüße. Es ist schön auch viele junge Gesichter zu sehen. Es erfüllt mit Stolz die Fahnenabordnungen angetreten zu sehen und ich will stellvertretend die Abordnung aus Prem/Steingaden willkommen heißen. Darüber hinaus heiße ich die stattliche Abordnung der Ortskameradschaft Burgau willkommen. Ein Grüß Gott dem Landeshauptmann der bayrischen Gebirgsschützen Herrn Karl Steininger. Ein Grüß Gott auch der Bundesfahne des Südtiroler Schützenbundes begleitet durch den Ehrenmajor und Kulturreferenten von Brixen. Sie zeigen uns eine besondere Anerkennung.
Für die Abordnungen der internationalen Föderation der Gebirgssoldaten mit 11 Nationen begrüße ich den Generalsekretär Brigadegeneral a.D. Renato Genovese. „General, a warm welcome to you and your delegation!“ Auch zum ersten Mal - nimmt eine offizielle Abordnung des österreichischen Bundesheeres an der Gedenkfeier teil. An der Spitze begrüße ich den Militärkommandanten von Vorarlberg Brigadier Ernst Konzett sowie den stellvertretenden Kommandanten des Kommandos Gebirgskampf aus Absam Oberst Klaus Zweiker. Auch in diesem Jahr gilt der Ortskameradschaft Mittenwald unter Führung von Klaus Esper ein besonderer Dank für die Rahmenorganisation dieser Veranstaltung.

Meine sehr geehrten Damen und Herren.
Ich wurde vor 7 Monaten zum neuen Präsidenten des Kameradenkreises der Gebirgstruppe gewählt. Bevor ich mich an Sie alle wende, gestatten Sie mir daher eine persönliche Anrede an meinen Vorgänger im Amt, Herrn Oberst a.D. Horst-Dieter Buhrmester.
Lieber Horst-Dieter. Unter Deiner Führung hat sich der Kameradenkreis zu dem entwickelt, was er heute ist:
Ein für die Zukunft gut gerüsteter und aufgestellter moderner Verein, der den ehemaligen und aktiven Angehörigen der Gebirgstruppe und darüber hinaus eine attraktive und solide Heimat ist. Hierfür darf ich mich im Namen aller hier Anwesenden herzlich bei Dir bedanken.
Dieses Jahr ist aus zwei Gründen ein Besonderes.
Zum zweiten Mal führt die Gebirgsjägerbrigade 23 zusammen mit dem Ausbildungsstützpunkt Gebirgs- und Winterkampf und dem Kameradenkreis nun gemeinsam den Tag der Gebirgssoldaten durch. Wir, die Soldaten unter dem Edelweiß, die Alten und die Jungen, die Aktiven und die Ehemaligen, vom General bis zum Gefreiten, gestalten einmal im Jahr einen Tag nur für uns. An diesem Tag blicken wir zurück auf das was im letzten Jahr war und nehmen Anlauf für die Herausforderungen der nächsten 365 Tage.
Ich bin sehr froh, dass wir unsere traditionelle Brendtenfeier nun in diesen Tag eingebettet sehen.

Der Grundstein für das Ehrenmal wurde 1956 gelegt. Die Einweihung fand 1957 statt. Wir Gedenken heuer also zum 60. Mal. Sie ist als Tradition in das Bewusstsein der ehemaligen und aktiven Gebirgssoldaten eingegangen. Ich würde mich freuen, wenn der Tag der Gebirgssoldaten mit der Brendtenfeier als gewichtiger Mittelteil eine ebensolche Traditionslinie erfahren würde. Die Grundlage hierfür ist gelegt.

In meiner Rede möchte ich mich in diesem Jahr, aus gegebenem Anlass besonders dem Thema „Tradition“ widmen. Dieser Begriff will nicht so recht in unseren Zeitgeist passen, ja es wird sogar die Frage aufgeworfen ob denn Traditionen im 21. Jahrhundert überhaupt politisch korrekt sein können. Tradition ist etwas, mit dem wir uns, die ehemaligen aber vor allem die aktiven Soldaten, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung in erheblichen Wellenbewegungen, scheinbar sehr schwer tun. Das scheinen die jüngsten Ereignisse in der Bundeswehr aber vor allem die Art und Weise, wie Öffentlichkeit und veröffentliche Meinung darüber diskutieren, wieder einmal zu bestätigen. Die Erwähnung des Begriffs „Tradition“ polarisiert zum Teil kompromisslos. Für die einen Gepflogenheiten etwas ewig Gestriges, Rückwärtsgewandtes und daher per se verdächtig. Für die anderen kann es gar nicht gepflogen genug sein, so wie es früher war, war es gut – ja war es sogar besser. Beide Herangehensweisen verkürzen den Inhalt von Tradition auf unzulässige Weise. Und beides wird unserem Verständnis des Inhaltes keinesfalls gerecht.
„Tradition ist die Überlieferung von Werten und Normen. Sie bildet sich in einem Prozess werteorientierter Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Tradition verbindet die Generationen, sichert Identität und schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Tradition ist eine wesentliche Grundlage menschlicher Kultur. Sie setzt Verständnis für historische, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge voraus.“
Dies ist ein Zitat aus den „Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege der Bundeswehr“, kurz: dem Traditionserlass der Bundeswehr von 1982. Noch vor Wiedervereinigung, noch vor multinationalen Auslandseinsätzen, Kampf und Gefallenen beschrieben die Verfasser dieses Erlasses eigentlich sehr einfach und klar den Rahmen für Tradition in den Streitkräften. Der Inhalt nach unserem Verständnis ist also weder „rückwärtsgewandt“, noch huldigt dieser heuchlerischen Symbolen einer untergegangenen Epoche.

Das Bild welches wir vor Augen haben ist das Brücken bauen - zwischen der Vergangenheit und dem Heute - damit ein Weg in das Morgen gebahnt werden kann. Diese Brücke wirkt also vor allem in die Zukunft. Damit diese jedoch auf stabilen Fundament stehen kann und die Richtung über sie hinweg klar zu erkennen bleibt, setzt dieses Tun zweifellos Bildung und sachgerechtes Wissen um unsere Geschichte voraus.
„Tradition braucht Symbole, Zeichen und Zeremonielle“. Ein weiteres Zitat aus diesem Erlass, verfasst unter dem sozialdemokratischen Verteidigungsminister Hans Apel.
Unser Symbol, unter dem wir alle vereint sind, ist seit dem Bestehen der ersten deutschen Gebirgstruppen, seit 1915, das Edelweiß. Diese unscheinbare und gänzlich unmilitärische Blume, deren ganze Schönheit und Widerstandsfähigkeit sich nur dem eröffnet, der Sie im Hochgebirge hat blühen sehen, bildet, wenn Sie so wollen, die corporate identity, ist unser „Markenzeichen“, um das uns viele beneiden und das uns vereint. Es gibt uns das Zusammengehörigkeitsgefühl, den Teamgeist der das Leben und Überleben in der rauhen Bergwelt erst ermöglicht.
Ein weiteres Symbol unserer Tradition zeigt sich hier vor uns Allen.
Seit 60 Jahren haben wir Soldaten unter dem Edelweiß dieses Symbol, mit dem wir Tradition leben und gestalten. Es hat sich entwickelt zu dem wie es heute vor Ihnen steht. Mit zwei Granitsäulen die an beide Weltkriege und deren Tote erinnern - die in ihrer Dimension an Gräuel, Entbehrung und Verlust nicht fassbar sind,

Das Ehrenmal der Gebirgstruppe am "Hohen Brendten" in MITTENWALD.
Das Ehrenmal der Gebirgstruppe am "Hohen Brendten" in MITTENWALD.
mit dem Kreuz als mächtiges Zeichen der Hoffnung – geschaffen von Sebastian Norkauer - und aus der im Jahr 2015 hinzugefügten Erweiterung - ausgeplant von Hermann Norkauer - um einen waagrecht liegenden Block mit eigener Größe und Aussagekraft. Das Denkmal für die Bundeswehr. Es ist nun Teil des Denkmal-Ensembles macht aber mit seiner Eigenständigkeit auch den moralisch/geschichtlichen Unterschied zu der Erinnerung an die beiden Weltkriege deutlich. Das Ehrenmal wurde nicht in Erfüllung einer staatlichen Aufgabe anonym von einer Behörde oder Amt geschaffen, sondern wir haben es uns selbst gegeben - es ist unser Ehrenmal.

Das Ensemble steht auch für unsere Wegstrecke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Diese führt aus fürchterlicher Vergangenheit kommend zum Frieden und mahnt - beim selbstverständlichen Schreiten in die Zukunft. Jeder der das Ehrenmal der Gebirgstruppe auf ein Zeichen für den Krieg reduziert, wird ihm, nicht gerecht werden - vielleicht will er ihm auch nicht gerecht werden. Man muss seine Entstehungsgeschichte kennen.
Es wurde zu einer Zeit errichtet, als Deutschland anfing zu begreifen, welche schreckliche Schuld unser Land vor allem durch den zweiten Weltkrieg auf sich geladen hat. Zu einer Zeit, als die letzten Kriegsteilnehmer aus russischer Gefangenschaft zurückkehrten und sich viele persönliche Schicksale glücklich oder unsagbar traurig auflösten.
Es war und ist als eine Stätte der Erinnerung gedacht, an der Angehörige und Kameraden ihren im Krieg oder im Einsatz gebliebenen Lieben gedenken können, sich ihrer erinnern.
Die Erinnerung an Menschen, die im Krieg durch Gewalt umgekommen sind, hat nichts heroisches oder gar heldenhaftes an sich. Hinter jedem dieser Millionen Toten steht ein Schicksal, stehen Mütter, Väter, Ehepartner, Kinder, Freunde und Kameraden. Unter uns sind noch etliche Kriegsteilnehmer aus dem Weltkrieg, aber auch Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr, die in den Einsätzen der vergangenen Jahre Schreckliches erlebt haben. Halten wir gemeinsam mit denen die Angehörige oder Kameraden verloren haben deren Erinnerung hoch. Das Ehrenmal war und ist eine Stätte der Mahnung. Jeder einzelne Tote, der durch das Ehrenmal repräsentiert wird, mahnt uns, aus der Geschichte zu lernen. Jeder einzelne Tote, an den dieses Ehrenmal erinnert, mahnt uns, es nie wieder zum Krieg oder zum bewaffneten Konflikt kommen zu lassen.
Diese Mahnung ist jedoch nicht auf uns unmittelbar Betroffene ausgerichtet. Es würde deutlich zu kurz greifen, Soldaten zum Frieden zu mahnen. Wir wissen, was Krieg bedeutet. Diese Mahnung richtet sich an die Politik und die Gesellschaft derer sie dient, an den Souverän also, mit der Aussage sich den Einsatz von bewaffneten Streitkräften als Mittel sehr gut zu überlegen.
Und so ist dieses Ehrenmal nun schon seit 60 Jahren ein Zeichen, das weit sichtbar zum Frieden mahnt indem es den Toten gedenkt. In bester Absicht und in Einklang mit demokratisch gewachsener Tradition begründet auf den Werten unseres Grundgesetzes.
Eine Tradition, auf die wir alle hier Versammelten stolz sein können.
Vor der herrlichen Kulisse des Karwendels, der schon weit vor uns Menschen da war und der immer noch dort stehen wird, wenn es uns alle nicht mehr gibt, darf ich Sie nun alle bitten, an unsere Toten und Gefallenen zu denken. Vor so viel Schönheit der von Gott geschaffenen Natur schrumpft der Mensch und erkennt hoffentlich seine eigentliche Bestimmung.
Dieses ist, vor allem für uns aktive und ehemaligen Soldaten unter dem Edelweiß, das friedliche Miteinander der Menschen.

Ausgehend von der richtigen Taktik, an einem festen Standplatz, Kameraden verbunden mit einem guten Seil, gesichert von starken Händen und ausgestattet mit geschickter Technik gelingt jede Klettertour, und sei sie auch noch so herausfordernd.
Ich wünsche mir für die Zukunft weiterhin das beste kameradschaftliche Miteinander. Im Sinne einer Kameradschaft, wie man sie besser als am Berg nicht erfahren kann.
Ihnen allen, unseren aktiven Soldaten, egal ob in Mali, in Afghanistan, dem Irak oder zu Hause, Ihren Familien und Freunden, Gottes Segen und stets eine glückliche Rückkehr.

Horrido!

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